Prinzipien

Prinzipien des Chan Buddhismus        禅宗原理

Buddhistische Philosophie Shi Yanliang, Shaolin Tempel in China

Die Naturwissenschaft des Westens und Physiker wie Albert Einstein kamen zu ähnlichen Schlüssen über die Welt und die Gesetzmäßigkeiten dahinter, wie Buddha vor 2500 Jahren. Während der Buddhismus in seinem Geburtsland Indien fast verschwunden ist, boomt er im Westen und fließt in Techniken zur Bewusstseinsentwicklung und in Psychotherapien ein. Auch der Buddhismus als Kulturgut zieht immer mehr Touristen an. Wenngleich er im offiziellen Sinne zu den Weltreligionen zählt, ist der Buddhismus im Grunde eine Lebensphilosophie und unabhängig von Religionen für jeden und jede lebbar.

Buddha legte Wert auf persönliche Erfahrung im Gegensatz zu blindem Glauben und Übernehmen ohne selber zu prüfen. Im Buddhismus gibt es keine äußere Autorität. Das eigene Innerste kennt die Wahrheit und ist die oberste Autorität. Jedes Dogma würde allen, die ihm folgen, die Chance auf ihre Erkenntnis nehmen.

Wenn Buddha lehrt, nicht Blind zu glauben, meint er auch nicht zu zweifeln, wo Vertrauen notwendig ist. Zweifelsucht gilt im Buddhismus als großes Hindernis bei der Entwicklung eines wachen Bewusstseins. Angestrebt wird, im täglichen Leben seinem Gefühl zu vertrauen und der Intuition zu folgen bzw. sie zu entwickeln.

Im Buddhismus kennt man kein entweder – oder. Die buddhistische Haltung ist nicht ausschließend. Deshalb können auch alle anderen Religionen mit dem Buddhismus koexistieren, ohne bekämpft zu werden. Der Buddhismus lehrt ein Denken des Sowohl-als-auch. Das führt zu Toleranz und zu Frieden. Als der Buddhismus aufkam, musste niemand den alten Religionen abschwören, um zum Buddhismus überzutreten. Es kam zu einer Verbindung von alten und neuen Glaubensformen und Lebensgrundsatzregeln.

Im Buddhismus existiert keine Mitgliedschaft in einer Kirche, kein Beitritt und kein Austritt in die und aus der Glaubensgemeinschaft. Buddhismus ist eine Lebensform nach menschlichen Regeln des Wohlwollens und der Gerechtigkeit, die sich mit jedem Glauben verträgt und unabhängig von Ritualen ist.

Buddhismus will nicht Gott erklären, sondern einen Weg anbieten, der persönlichen Nutzen im Sinn von Glücklichsein bringt. Glückliche Menschen gemeinsam erschaffen eine glückliche Welt. Insofern dient der Nutzen des Einzelnen auch dem Nutzen des Ganzen. Und Erleuchtung, Erwachen, meint in Wahrheit Bewusstheit über das wahre Sein und die Welt hinter der äußeren Welt.

Shi Yan Po, Shaolin Tempel ChinaErwachen ist nicht das Privileg einzelner Menschen, sondern kann durch jeden und jede erlangt werden. Das ist die Botschaft Buddhas. Die Werte des Buddhismus zu leben, ist der Weg zum Erwachen. Anders als in Glaubenssystemen, die „Gottesfurcht“ lehren, steht im buddhistischen Glauben die Verbundenheit über allem. Furcht schafft Distanz. Liebe Verbindung, auch mit dem Göttlichen. Wenn der Mensch und Gott eins sind, besteht auch keine Veranlassung, alles Heilige zu projizieren auf eine Gottesfigur, die dann verteidigt wird, weil sie Angriffsflächen bildet. Das ist der Ursprung von Kriegen. Bei dieser inneren Haltung bleibt für die Menschen nur noch die Rolle der Sünder. Sich selbst der eigenen inneren Göttlichkeit bewusst zu sein, führt zum Integrieren von Licht- sowie Schattenseiten.

Karma und Samsara

Unter Karma versteht man das Gesetz von Ursache und Wirkung. Jede Handlung hat eine Folge. Heilsame Handlungen erzeugen Freude und Glück, unheilvolle Handlungen hingegen Leid und Probleme. Karma bedeutet nicht im christlichen Sinne Schuld und Sühne, sondern dass jede Verfehlung wieder zurückfällt auf den Verursacher. Jede Handlung beeinflusst das Leben und somit auch das Karma.

Nachdem der Mensch als mehr als sein Körper betrachtet wird, wird davon ausgegangen, dass dieses „Mehr“ sich immer wieder inkarniert (wieder verkörpert), um auch Karma aufzulösen. Nur Unwissenheit führt nach Ansicht des Buddhismus zu karmischer Verstrickung, nicht Schuld. Jeder Mensch trägt die Verantwortung für sein Handeln und die Seele möchte selbst Karma gut machen durch Tat und Wirken.

Über die Individualität führt der Weg der Bewusstwerdung zur Universalität. Individualität ist jedoch nicht gleichbedeutend mit Egoismus. Egoismus ist unbewusst, unwissend und ein Weg der Selbsttäuschung, der jedoch nicht vor den Folgen bewahrt. Individualismus steht zu sich selbst und ist sich seines wahren (göttlichen) Selbst bewusst. Individuen verstehen auch andere Standpunkte und leben Toleranz und Frieden. Der Weg in die Freiheit im Sinne des Buddhismus führt über die Freiheit vom Egoismus. Selbst-Verwirklichung bedeutet spirituelle Entwicklung. Entwicklung auch im wörtlichen Sinne, wie ein Schmetterling sich befreit aus der Verpuppung.

Ebenso wie das Wirken erzeugen auch Denken und Fühlen Karma. Gedanken und Emotionen sind die Vorstufen zur Tat und können auch materiell irgendwann Wirkung zeigen. Es existiert kein strafender Gott im Buddhismus, allein das eigene Wirken holt den Menschen wieder ein. Wer den anderen schadet, schadet letztlich sich selbst. Es gibt aber dafür keine Verurteilung, weil der Mensch durch Fehler lernt. Absichtsloses Handeln – frei von Absicht und Hintergedanken – erzeugt das wenigste Karma.

Der Begriff Samsara meint das Gefangensein in der Welt der eigenen Erlebnisse und in den Vorstellungen von dieser Welt der Illusionen. Alles wird nur im Licht der subjektiven Erfahrung und Wahrnehmung betrachtet und erlebt. Dieser Prozess, der sich von Leben zu Leben fortsetzt, wird als Kreislauf der Existenz (Samsara) bezeichnet, das Rad der Wiedergeburten.

Buddhas Lehre verspricht des Ausstieg aus dem Karma und dem Rad der Wiedergeburten, wenn eine Wandlung erfolgt durch das Leben des achtfachen Pfades. Das Prinzip von Ursache und Wirkung hat nur Gültigkeit auf der materiellen Ebene, aber Bewusstsein, Geist (Spirit) kann diese Ebene verlassen. So wird der Weg des Buddhas zu einem Weg der Befreiung von Leiden.Shi Yan Po, Meditation

Nirwana

Der Eintritt des Bewusstseins in eine höhere Form der Bewusstheit oder der Wahrheit wird Nirwana genannt. Es ist ein Zustand jenseits der Dualität und des Denkens, ein Eintauchen in die All-Einheit. Nirwana ist eine Erfahrung der Einsicht in das Wesen aller Dinge und die Befreiung des Geistes von den Schranken des Denkens, die Verwirklichung höchster Wahrheit jenseits der Worte. Oft wird für Nirwana auch das Wort „Verlöschen“ gebraucht. Es meint das Verlöschen in Form von Befreiung von Gier, Hass, Wahn, Angst und das Verlöschen des Egos. Gefühle wie Schuld und Depression verschwinden und weichen der Lebensfreude.

Es ist ein Erwachen aus dem „Traum des Lebens“ und der Illusion des irdischen Daseins. Das Alltagsbewusstsein wird verlassen, es folgt ein Erwachen auf einer „höheren Ebene“, die einen Blickwinkel bietet, aus dem alle Zusammenhänge plötzlich klar werden. Die Nebel und Schleier der Illusion (Maya) haben sich gelichtet. Nirwana ist ein transzendenter Zustand der inneren Befreiung, der Glückseligkeit und des Friedens sowie der allumfassenden Liebe. Er leuchtet aus klaren strahlenden Augen, den Zeichen einer geläuterten Seele, und ist ein Präsent-Sein im Jetzt.

Nirwana kann in flüchtigen Augenblicken erfahren werden oder ins Leben integriert sein. Letzteres ist meist ein Prozess. Diesen Zustand zu erlangen, wird oft wie eine zweite Geburt erfahren, die Geburt als ein bewusstes spirituelles Wesen.

Dharma

Das Wort „Dharma“ fasst alle Lehren Buddhas in einem Wort zusammen und meint die „Wahrheit“. Wahrheit jenseits der Dinge und der persönlichen Wirklichkeit, alles was wirklich ist, im Gegensatz zu Illusionen. Dharma meint auch das Gesetz, das in den Herzen der Menschen liegt als ein Prinzip der Redlichkeit.

Buddhas in der TempelhalleEin Mensch, der das Buddha-Selbst in sich verwirklicht hat, ist edel, rein und wohltätig. Nicht um den Regeln zu genügen, sondern aus sich heraus, um dem Höchsten in seinem Inneren zu entsprechen, seinem göttlichen Sein.

Dharma existiert im ganzen Universum, sagt der Buddhismus. Es ist eine Offenbarung des Dharma, des inneren Gesetzes der Dinge, der inneren Matrix. Dharma ist die wahre Natur der Dinge, die göttliche Existenz in allem.

Ein Mensch, der das Dharma lebt, wird dem Elend entgehen und zum Nirwana kommen, der Lösung vom Leiden. Nur die Beherrschung des Geistes und die Klärung der Gefühle dienen dieser Entwicklung. Keine Gebete und Anflehungen, keine Zeremonien oder Opfer können diesen Prozess ersetzen. Wohlwollen für alle Wesen ist der Weg der Verwirklichung der Prinzipien des Buddhismus und der Weg, das Dharma zu leben. Wer den anderen dient, dient auch sich selbst. Und wer sich selbst verändert, verändert die Welt.

Die vier edlen Wahrheiten

Buddhas grundlegende Erkenntnis wird meist in vier Sätzen zusammengefasst und beschreibt die „vier edlen Wahrheiten“ menschlichen Lebens:

  • Es gibt Leid im Leben.
  • Leid entsteht durch Begierde, Anhaftung und Egoismus.
  • Es ist möglich, sich vom Leid zu befreien.
  • Der Weg dazu ist der „achtfache Pfad zum rechten Leben“.

Die 1. edle Wahrheit

Mit der ersten edlen Wahrheit „Es gibt Leid im Leben“ wird auch der Begriff „Dhukka“ verbunden, der eine Grundangst im menschlichen Leben beschreibt: Die Angst, nicht erwünscht zu sein, sich in einer Lebensfeindlichen Umwelt zu befinden, in einem immerwährenden Kampf ums Überleben.

Der Mensch leidet an der Vergänglichkeit. So entsteht Leid durch den Widerstand, Werden und Vergehen zu erleben. Die Feststellung, dass es Leid im Leben gibt, ist eine Standortbestimmung. Sie sagt nicht, Leben sei nur Leiden, sondern: Auch Leid gehört zum Leben. Es ist eine Möglichkeit, sich zu verändern. Leiden hat jedoch aus der Sicht des Buddhismus keinen Sinn. Wir können auch frei von Leiden lernen und Erkenntnis erlangen.

Freude und Zufriedenheit werden jedoch erst möglich, wenn sich der Mensch seines Mangels an Glück und Zufriedenheit bewusst ist. Eine Bewältigung der Situation ist durch Bewusstwerdung und Loslösung möglich. Wer achtsam, bewusst und frei von Widerständen lebt, erlebt Befreiung von Leiden.

Die 2. edle Wahrheit

Leiden entsteht durch haben wollen und durch Unersättlichkeit. Dieses Verlangen bezieht sich einerseits auf Reichtum im materiellen Sinne, aber auch auf Vergnügen, Macht, auf wichtig sein wollen und das Anhaften an allem Bindenden, wie u.a. Einstellungen, Ideen, Vorstellungen, Ansichten, Meinungen, Werten etc.

Verlangen wird nicht bewertet, nur als das gesehen, was Verlangen ist – die Ursache für das Leiden.

Die materielle Existenz ist nur ein Teil der Existenz. Der Mensch ist ein verkörpertes geistiges Wesen, vergänglich im Materiellen, unvergänglich im Geistigen. Die Lust nach Leben, nach Erfahrung führt zur Verkörperung der Seele. Doch je mehr sie sich identifiziert mit der materiellen Welt und daran festhält, desto mehr entsteht Leiden und der Kreislauf von Karma und Wiedergeburt beginnt. Dazu tragen auch die drei Geistesgifte bei: Gier, Hass und Verblendung.

Die 3. edle Wahrheit

Die Möglichkeit, sich aus dem Leid zu befreien und das Rad der Wiedergeburten (Karma) zu verlassen, war die Botschaft Buddhas zur Befreiung der Menschen durch ihr innerstes Selbst. Befreiung (Nirwana) ist ein Ausstieg aus der Polarität.

Buddhismus ist zugleich Anregung zu einer Lebensgestaltung, die Glück und Freiheit ermöglicht und das Leben zu genießen, so wie es ist.

Die 4. edle Wahrheit

Der Pfad zur Überwindung des Leidens ist der „8-fache Pfad“ des Buddhismus, der Perspektiven aufzeigt, anstelle von Egoismus, Anhaftung und Besitzgier fortan Menschlichkeit, Wohlwollen, Mitgefühl und ein Leben in Verbindung mit anderen sowie der Schöpfung zu führen. Die Fähigkeit zur Befreiung liegt in jedem Menschen, weil jeder Mensch im innersten ein göttliches Wesen ist. Die Buddha-Natur zu entwickeln, heißt das göttliche Selbst zu leben und das innerste Wesen zum Leuchten und Strahlen zu bringen.

Der achtfache PfadShaolin Mönche, Zeremonie

Der Weg zur Überwindung des Leidens wird im Buddhismus durch acht Prinzipien beschrieben, die wie folgt lauten:

  • Rechte Ansicht / Rechte Einsicht
  • Rechtes Motiv / Rechte Gesinnung
  • Rechte Rede
  • Rechtes Tun
  • Rechter Lebensunterhalt
  • Rechte Anstrengung
  • Rechte Achtsamkeit
  • Rechte Konzentration / Meditation

Die Bezeichnung „rechtes“ meint „auf das Ganze bezogen“, „angemessen“, „rechtschaffen“, „vollständig“ oder „weder einseitig noch zwiespältig“. Der Weg des Buddhismus ist ein Weg der Mitte, nicht der Extreme. Die ersten beiden Regeln beziehen sich auf das Denken und die Gesinnung, die Ausgangspunkte für jede Handlung. Die Regeln drei bis sechs beziehen sich auf menschlich-sittliches, ethisches Verhalten, und die beiden letzten Regeln auf mentales und geistig-spirituelles Training, den Zugang zu erweitertem Bewusstsein und der vertieften Betrachtung der Welt.

Rechte Ansicht / Rechte Einsicht

Die Regel der „rechten Ansicht“ soll dazu anleiten, Dinge möglichst so zu sehen, wie sie wirklich sind. Auch wenn es im Buddhismus keine Wahrheit im Objektiven Sinne gibt, ist ein subjektives Wahrnehmen häufig ein sich selber täuschender oder ein verzerrender Blickwinkel. Die Dinge nicht zu sehen, wie sie sind – sondern wie sie sein sollten – geht Hand in Hand mit Verdrängung, Beschönigung, Verleugnung und nicht wahrhaben wollen.

Zu jedem Sachverhalt gibt es zahlreiche Standpunkte. Die Regel der rechten Ansicht oder Einsicht meint auch, den Standpunkt verlassen zu können, der eigene Vorteile bietet, aber vielleicht nicht der Wahrheit entspricht. Einen Sachverhalt von verschiedenen Seiten anzuschauen, bedeutet frei zu sein von einer Identifiziertheit mit der eigenen Ansicht und dazu imstande, einen Schritt auf andere Menschen zuzugehen, um ihre Perspektiven wirklich zu verstehen. Rechte Ansicht und Einsicht zu leben, heißt, sich um einen unverstellten Blick auf die Wahrheit zu bemühen.

Rechtes Motiv / Rechte Gesinnung

Dieser Hinweis der buddhistischen Lehre meint, man solle die Motive, aus denen man handelt, erst hinterfragen und sich der wahren Absicht bewusst werden. Häufig sind die Motive hinter den äußeren Motiven andere, versteckte Absichten, mit dem Ziel etwas Bestimmtes für sich selbst zu erreichen. Zum Beispiel Gutes zu tun, um geliebt zu werden oder Abhängigkeit zu erzeugen. Sich die Motive bewusst zu machen, die zu Handlungen führen, heißt auch, das Spiel von Opfer und Täter zu verlassen, die einander bedingen. Sich klar zu werden darüber, ist der Beginn und die Vorraussetzung für eine Verhaltensänderung und eine neue innere Haltung.

Zuerst sollten die Absichten frei von persönlichem Streben nach Vorteil und von Unehrlichkeit sein, ehe gehandelt wird. Ein rechtes Motiv führt zu Überzeugung und totaler Authentizität. Das Tun kommt aus innerer Überzeugung, das Gefühl des Opfer-Daseins und die Erwartung der Dankbarkeit verschwinden. Dann ist das Tun voller Sinn und Freude, Güte und Frieden.

Rechte Rede

Die rechte Rede bedeutet im Buddhismus, eine Sprache zu benutzen, die frei von Hass, Feindschaft, Uneinigkeit und Zwietracht ist. Das bedeutet, auf Lüge, Verleumdung, Schmeicheleien, leeres Geschwätz und Klatsch zu verzichten. Rechte Rede meint auch, keine niederen Instinkte – wie Sensationsgier oder Gewalt – zu schüren und stattdessen ehrlich, friedfertig, heiter und wertschätzend über andere und mit anderen Menschen zu reden. Sie hält sich an die Tatsachen und achtet auch darauf, richtig verstanden zu werden.

Rechtes Tun

Das rechte Tun ist frei von Furcht, handelt zum Wohle aller und immer den Umständen angemessen. Alles, was Frieden, Ruhe und Harmonie erzeugt, was zu Erkenntnis, Weisheit und Wohlbefinden beiträgt, ist rechtes Tun. Es respektiert den freien Willen von anderen und sich selbst, ist jedoch kein selbstgefällig-tugendhaftes Handeln. Im Buddhismus geht es immer um die Erlangung von Weisheit, aus der das Handeln entspringt.

Zur Unterstützung auf dem Weg kennt der Buddhismus fünf Sittenregeln:

  • nicht töten
  • nicht stehlen
  • keinen unerlaubten Geschlechtsverkehr (Missbrach, Übergriff)
  • nicht lügen
  • berauschende, suchterzeugende Mittel meiden (Abhängigkeit macht unfrei).

Eingriffe in die Würde und Freiheit von anderen sollen unterlassen werden. Achtung und Wohlwollen und der Respekt vor dem Leben sind die obersten Prinzipien. Jeder Mensch muss sein Tun vor allem vor sich selbst verantworten können und nicht nur aus Angst vor Strafe etwas unterlassen.

Alle Regeln des Buddhismus sind jedoch keine Ge- und Verbote im moralischen Sinne, sondern Regeln der Menschlichkeit und der Liebe. Menschen mit offenem Herzen leben ganz natürlich, ohne anderen zu schaden, verbunden mit der Schöpfung und allen Lebewesen, und ohne Regeln zu brauchen, nach denen sie handeln sollen. Ihr Handeln gründet auf Einsicht und tiefem inneren Verstehen.

„Heilsames“ Verhalten im buddhistischen Sinne erzeugt Frieden, Ruhe, Harmonie und führt zu Weisheit und Wohlbefinden. Der Buddhismus zielt ab auf die Befreiung von Leiden, auf Gesundheit und Glück im Leben. „Mögen alle Wesen glücklich sein“ betrifft auch das eigene Selbst, denn jeder Mensch, der selbst glücklich ist, macht die gesamte Welt zu einer glücklicheren Welt.

Gesundheit und materieller Wohlstand sind Nebenprodukte des Tuns in diesem Sinne. Reichtum im Sinne des Buddhismus ist nicht von Haus aus abzulehnen. Materielle Güter sind nur das, wofür man sie einsetzt. Reichtum kann andere unterstützen, immer natürlich gesetzt den Fall, dass er auch ehrlich erworben wurde. Generell sind Eigenschaften wie Eigenverantwortung sowie materielle Unabhängigkeit im Buddhismus erstrebenswert, um sich selbst erhalten zu können.

Rechter Lebensunterhalt

Diese Regel stellt klar, dass der Lebensunterhalt mit einer Tätigkeit verbunden sein sollte, die keinem Lebewesen schadet. Zu vermeiden in diesem Zusammenhang wären zum Beispiel der Handel mit todbringenden Waffen und mit suchterzeugenden Mitteln; Betrügereien und Geld verdienen durch Verhalten, das andere schädigt; und das Töten von Tieren sowie der Handel mit Schlachttieren. Im Zusammenhang mit dem Essen von Tieren bedeutet das: Fleisch essen ist nicht verboten, falls es notwendig ist. Nahrung, die gewonnen wird, ohne Leben zu zerstören, ist jedoch Vorzug zu geben. Werden Tiere getötet, soll das rasch und leidenschaftslos, ohne Gier und Hass geschehen und auch immer in Maßen.

Unter rechtem Lebensunterhalt werden vor allem Berufe verstanden, die weder die fünf Sittenregeln verletzen, noch daraus Nutzen ziehen.

Rechte Anstrengung

Darunter versteht man geistige Anstrengung, die sowohl Gedanken, als auch Gefühle und Emotionen umfasst. Gedanken und Gefühle sind die Nahrung des Geistes. Körperliche Hygiene ist meistens selbstverständlich, aber geistige Hygiene, geistiges Maßhalten und sich Reinigen von destruktiven Gedanken braucht Disziplin und Bewusstheit. Seelenhygiene umfasst auch eine bewusste Entscheidung, was wir geistig aufnehmen und welche Eigenschaften wir kultivieren möchten. Das braucht Bemühen.

Rechte Anstrengung meint in diesem Zusammenhang, Eigenschaften wie Wohlwollen, Güte und Mitgefühl, Gleichmut und Mitfreude einzuüben, die im buddhistischen Leben einen sehr hohen Stellenwert haben. Wohlwollen meint zum Beispiel eine offene, positive Geisteshaltung anderen Menschen gegenüber, Toleranz und Wertschätzung.

Das Bemühen, ein Verhalten einzuüben und zu leben, das andere unterstützt, ist ein meditatives Training und verlangt Ausdauer und den Willen, sich seiner selbst bewusst zu werden. Vorerst beginnt das Training bei sich und bei wohlwollendem Verhalten auch sich selbst gegenüber, also sich selbst so zu lieben, wie man jetzt ist, mit all seinen Fehlern und Schwächen. Erst diese Basis der Selbstliebe lässt sich auf andere ausdehnen und auch die Wirklichkeit annehmen, so wie sie ist. Sich selbst zu lieben bedeutet nicht, nur noch den eigenen Vorteil zu suchen, sondern verbunden mit allem, was existiert, bei sich selbst zu beginnen. Jede Veränderung im Außen beginnt mit einer Veränderung in uns selbst.

Mitgefühl meint im buddhistischen Sinne, nicht mit zu leiden, sondern mit Mitgefühl anwesend zu sein und zu unterstützen. Mitfreude ist die Fähigkeit, am Glück von anderen teilzuhaben, sich mit ihnen zu freuen, ohne sie zu beneiden oder das Glück zu missgönnen. Gleichmut wiederum meint, ein inneres Gleichgewicht finden und in der Mitte zu sein und bleiben, was immer geschieht. Das ist ein Weg zu innerem Frieden.

Rechte Achtsamkeit und rechte Konzentration / MeditationGroßmeister Shi Yanliang, Meditation

Sowohl Achtsamkeit als auch Konzentration im rechten Sinne beziehen sich auf ein Training des Bewusstseins, das auch meditativ ist. Alle anderen Pfade sind die Vorstufen zu den letzten beiden Pfaden des achtfachen Pfades. Hier geht es nicht mehr um Denken und Handeln im Alltag, sondern um die Bewusstheit über die emotionalen und mentalen Prozesse des Daseins. Grundlagen der buddhistischen Meditation sind Achtsamkeit, Beobachtung, Bewusstheit und wache geistige Wahrnehmung des Seins. Achtsamkeit ist auf vier verschiedenen Ebenen möglich:

  • Körper (materielle Ebene) – z.B. Achtsamkeit auf den Atem
  • Gefühle, Empfindungen (emotionale Ebene)
  • Gedanken, Geist (mentale Ebene)
  • Dharma (spirituelle Ebene) – z.B. auf die Bedingungen menschlicher Existenz.

Gefühle, Empfindungen, Gedanken werden bewusst wahrgenommen und wieder losgelassen. Hier beginnt der spirituelle Pfad und die Befreiung von Unbewusstheit. Tiefe Einsichten werden möglich und Selbst-Entdeckung sowie Selbst-Verwirklichung können die höheren Dimensionen des Seins erschließen helfen. Meditierende auf diesem Weg beginnen, unbegrenzte Liebe, Güte, und Wohlwollen für alle Wesen auszustrahlen, Mitgefühl und Mitfreude sowie Gleichmut zu empfinden.

Zur Erreichung dieser Ziele wurden unzählige Methoden der Meditation entwickelt und der Buddhismus ist auch hier nicht ausschließend. Für Shaolin-Mönche ist einerseits das Meditieren im Sitzen, andererseits die bewegte Form wie im Qi Gong und im Gong Fu / Kung Fu von zentraler Bedeutung. Haltung beim Sitzen sollte bequem sein. Im Osten entspricht das dem Sitzen auf dem Boden, meist im Lotussitz oder Schneidersitz. Wichtig ist ein gerader Rücken, sodass die Energie und Atmung frei fließen. Der Inhalt sollte jedoch nicht mit der Form verwechselt werden. Auch aufrecht auf einem Stuhl zu sitzen, kann eine Position für eine Meditation sein. Meditieren im Liegen kann die Gefahr, dabei einzuschlafen, beinhalten. Nachdem kurz vor dem Einschlafen und vor dem Aufwachen jedoch ein ähnlicher Bewusstseinszustand vorherrscht wie beim Meditieren, kann man diese Phasen auch liegend im Bett dafür nutzen.

Meditieren bedeutet innezuhalten und sich gewahr zu werden, zu fühlen, zu spüren und wahrzunehmen. Es erzeugt einen Zustand der Entspannung und der Beruhigung des Geistes. Die Sammlung, Konzentration und Beherrschung des Geistes werden im Buddhismus „Samadhi“ genannt. In der Meditation fällt es oft leichter, sich seiner selbst bewusst zu werden und die eigenen Fehler oder Einschränkungen zu erkennen, die den Fortschritt blockieren. Nach buddhistischer Weltsicht sind das vor allem:

  • Sinnliche Begierde
  • Groll, Hass, Ärger
  • Stumpfheit und Trägheit
  • Aufgeregtheit und Gewissensunruhe
  • Zweifelsucht.

Einsicht ist der erste Schritt zu der Entscheidung, etwas im Leben oder sich selbst zu verändern und damit Neues anzuziehen. Entspannung und Konzentration sind die Vorstufen zu den Zielen der Weisheit und Klarheit im Leben. Die Fokussierung des Geistes hilft, zu verändern und tiefe Sammlung zu erzielen. Die Achtsamkeit beim Meditieren kann sich auf den Körper, die Gefühle und Empfindungen oder das Denken und den Geist richten.

Der Pfad der Sammlung führt zu verschiedenen Stufen der Versenkung und der mystischen Erlebnisse oder Zustände, wie Verzückung, Seligkeit und Ekstase. Laut Buddha gibt es vier Versenkungsstufen, die dabei helfen, Nirwana und das Ende des Leidens zu erlangen:

  • Achtsames gerichtetes Denken (sinnliches Verlangen hört auf – Wohlbehagen)
  • Geistige Konzentration auf einen Punkt oder Gegenstand (Nachdenken hört auf – Wohlbehagen)
  • Gleichmut, Klarheit, Gelassenheit
  • Aufhebung von Vergangenheit und Zukunft, von Erinnerungen an Gefühle oder Empfindungen – reine Gegenwart, Sein.

Eine meditative Grundhaltung ist eine geistige Einstellung, eine offene und bewusste Geisteshaltung im täglichen Leben. Leben im Sinne des Zen-Buddhismus ist Meditation, die in jeder Sekunde gelebt wird. Das meint bewusstes, achtsames Dasein, Präsenz in jedem Augenblick, ein Leben im Jetzt. Gehen ist Gehen und Sitzen ist Sitzen, Schreiben ist Schreiben, nicht Denken und Handeln und Sprechen, die einander widersprechen. Angestrebt werden dabei die Erhöhung der Achtsamkeit und der Bewusstheit im täglichen Leben.

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